Ca 70% aller Einsätze sind keine Notfälle, sondern Krankentransporte.
Dieses Verhältnis zwischen Notfall und Nicht-Notfall ist für meine Überlegungen im folgenden Text von Bedeutung.
In vielen Kreisen in Deutschland gibt es ein sogenanntes Mehrzweckfahrzeug-System (MZF), bei dem ein Fahrzeug wie ein Rettungswagen ausgestattet und besetzt ist, aber das auch Krankentransporte fährt.
Ökonomen und Krankenkassen bevorzugen bisher das Mehrzweckfahrzeug Modell, da die Auslastung der Fahrzeuge deutlich höher und das Fahrzeug somit wirtschaftlicher ist, als in einem Rettungswagen/Krankentransportwagen-System.
Da ein Mehrzweckfahrzeug immer durch mindestens einen Rettungsassistenten besetzt ist, bedeutet dies, dass das Fahrzeug bei 70% seiner Einsätze personell überbesetzt ist.
In besagten 70% wäre ein KTW (in den meisten Bundesländern durch einen Rettungssanitäter und eine "geeignete Person" besetzt) ausreichend gewesen.
Diese großzügige Überbesetzung im sonst so klammen Gesundheitssektor ist dadurch erklärbar, dass die personelle Besetzung eines Fahrzeugs relativ wenig Auswirkungen auf die Kosten hat (Ausgehend von hauptamtlichen Personal)- die Ausbildungskosten zum Rettungsassistenten hat in den meisten Fällen der Mitarbeiter selbst getragen, der Lohnunterschied zwischen Rettungssanitäter und Rettungsassistent beträgt nur einige Euro.
Zwar ist die Kostenfrage im neuen NFS-Gesetz noch nicht abschließend geklärt und es ist sicherlich nicht leicht über die Auswirkungen eines Gesetzes zu reden, das noch nicht in Kraft getreten ist, aber die Ausbildungskosten werden deutlich höher als beim bisherigen Rettungsassistenten sein.
Neben diesen durch die Ausbildung anfallenden Kosten wird auch die geplante 3-jährige Ausbildungsdauer dazu beitragen, dass weniger ehrenamtliche Mitarbeiter die Ausbildung zum Notfallsanitäter erlangen können. Gleiches dürfte für viele Medizinstudenten gelten, die mit der Rettungsassistenausbildung bisher die Wartezeit auf ihren Studienplatz verkürzten. Dazu kommt eine zu erwartende und zu erhoffende Abstandsvergrößerung des Gehalts zwischen Rettungssanitäter und Notfallsanitäter.
Aus den oben genannten Gründen wird sich eine Verknappung der neuen "Ressource" Notfallsanitäter ergeben, deren Arbeitskraft nicht mehr breit auf die verschiedensten Einsätze gestreut werden kann.
Zumindest aus wirtschaftlicher Sicht würde dies in der Konsequenz bedeuten, dass Mehrzweckfahrzeuge drastisch reduziert werden oder sogar ganz abgeschafft werden könnten, sollte ein Notfallsanitäter gesetzlich auf einem Rettungswagen bzw. Mehrzweckfahrzeug vorgeschrieben werden.
Gerne möchte ich euch zu einer Diskussion in den Kommentaren einladen, welche Veränderungen ihr erwartet und wie ihr diese wertet.
Weiterführende Links
- Publikation der DIVI "Mehrzweckfahrzeugstrategie im Rettungsdienst" (Achtung: Schon etwas älter, von 1994)
- Übersicht über die geforderte Mindestqualifizierung bei Besatzungen von KTW/RTW/NEF
- Mehrzweckfahrzeug
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